Von Mallorca in die Welt Unsere Autoren leben und schreiben hier auf der
Insel. Doch nicht immer alles wird auf der Insel erlebt. Ganz neu
erschienen ist d...
Mar 23, 2005
"Skihaserl" Rafael - von der Kinderpiste auf den Berg. Ein Rennen mit Medaille und viel Spass auf der Piste mit den "Roten Teufeln", der Skischule von Toni Sailer.
Vom feuchtkalten Winter in den beheizten Winter Im winterlichen Zwiebellook (T-Shirt, zweites T-Shirt, Rolli, Pullover, warme Jacke) sind wir von Mallorca nach Deutschland geflogen. Da waren wir dann. Viel mehr Schnee als auf der Insel, eine winterliche Landschaft zum Dahinträumen, eiskalt und uns war es warm. Schicht für Schicht haben wir uns entpellt, denn geheizte deutsche Häuser lassen den Winter zum mallorquinischen Sommer werden. Bestens gelaunt haben wir uns vom Rekordwinter auf Mallorca verabschiedet und stießen auf einen ebenfalls bestens gelaunten Piloten bei der Condor. An dieser Stelle ist durchaus ein bißchen Werbung angebracht, denn die Condor hat bei mir als Vielflieger erste Präferenz, zumal sie ihren Mitbewerb dadurch aussticht, dass sie selbst bei Rekordpreisen von 29 Euro nach Deutschland noch Kindernachlas gewährt - klar, dass diese 40 Prozent für mich ein zahlenkräftiges Argument sind. Der bestens gelaunte Pilot lud Rafael in das Cockpit ein, was Rafael tatsächlich nicht annehmen wollte - ich schon. Letztendlich liesen wir uns beide von den Knöpfen beeindrucken. Wer hat schon die Gelegenheit, dass ein Flugzeug zum Sprechen gebracht wird und Knöpfe das Cockpit zur bunten Lichtorgel machen. Dank Kind kam ich auch in den Genus des Spielpaketes. Den ganzen Flug über waren Rafael und ich beschäftigt, bunte Figuren auf eine Weltkarte zu kleben. Pech für kinderlos Reisende. Die mussten sich aufs Zuschauen beschränken oder sich in ihre Zeitungen vertiefen. Ein Skitraum in Kitzbuehel Trotz verstopfter Straßen und aktiver Frau Holle im winterlichen Himmel habe wir es bis Kitzbuehel geschafft. Eine Woche Skitraum vom Feinsten! Pulverschnee, Après-Ski im Pavillon und liebevoller Service beim Skiverleih von Konrad ließen unser Appartment zur - wenn auch urgemütlichen - Übernachtungsstation mutieren. Eine Woche Kitzbuehel gibt Stoff für viele Geschichten. Nur leider haben diese in "Mallorca-Geschichten" nichts zu suchen.
Eine Kokosnuss für tropische Gefühle im ewigen mallorquinischen Winter Und das Jammern hört nicht auf. Wenigstens haben wir alle morgens beim Bäcker und im Zeitungsladen ein gemeinsames Gesprächsthema. " Es ist kalt, eiskalt, noch kälter..." kurzum - unsere derzeitige Inselvereisung dehnt sich auf unsere Hirne aus. Unterkühlte Hirnwindungen neigen dazu, Informationen nur noch langsam durchzulassen und eine einst blühende Fantasie zum Welken zu bringen. Ein letzter Widerstand war der Kauf einer Kokosnuss. Eine längere Fahrt und ein paar Stopps waren nötig, um Mallorcas schönste Kokosnuss zu finden. "Kokosnuss=Palme=Sonne=Belize=Wärme" lautete die Formel, die uns zu dieser Anstrengung motivierte. Selbst die Nachbarn bekamen den Einzug der Kokosnuss mit oder besser, die Eroberung des köstlichen Inhaltes. Denn um unser Haus vor unnötigen Renovierungen zu schützen verzogen wir uns mit Hammer, Messer und Becher auf die Straße. Die Verteilung der Kokossplitter hatten wir nicht unter Kontrolle, so dass wir ein paar unfreiwillige Kostproben in Nachbars Patio verloren. Das weiße, köstliche Kokosfleisch konnten wir in einer kurzen halben Stunde fast mühelos aus seiner Schale operieren. Ende gut, Genus köstlich und mit einem Belize-Video samt glühendem Kaminfeuer feierten wir unser Karibikfeeling auf Mallorca.
Ein Poncho für Babette Das muss Liebe sein oder einfach die Sorge, dass eine blaugefrorene Freundin nur halb so attraktiv ist....auf jeden Fall hat Pedro seiner Babette einen wunderschönen Poncho geschenkt. Mit Hintergedanken? Klar doch - denn nun traut sich Babette ohne Poncho nicht mehr aus ihrer Wohnung - Pedro könnte sie ja sehen und falls nicht, ist er per Poncho immer schützend in ihrer Nähe. Schwere Zeiten für heimliche Verehrer!
Samstag ist auf Mallorca Supermarkttag. Der Einkauf wird zum Familienausflug mit Baby und Großeltern. Entsprechend ist das Desaster in diesen Riesenmärkten, in denen es von der Milchtüte bis zu den Wohnzimmermöbeln alles gibt. Schreiende Kinder, gelangweilt schauende Väter und eifrig wagenfüllende Hausfrauen sorgen für Jahrmarktsleben zwischen den mit Waren gefüllten Regalen. Eigentlich wollte ich nie mehr (!) an einem Samstag einkaufen gehen. Das sage ich seit Jahren und doch fehlen immer am Samstag die Dinge, auf die man am Wochenende nicht verzichten will. Ich habe es heute immerhin geschafft, vor dem großen Ansturm da zu sein. Und um das Einkaufsevent mit einem Highlight zu versehen, gönnte ich mir einen kurzen Skateausflug am Paseo von Ciudard Jardin nach Palma - bei strahlendem Sonnenschein! Auf dem Rückweg also der Stop beim Carrefour in Col d'en Rabassa. Das Holz für unser Kaminfeuer und frische Erdbeeren gemischt mit ein paar anderen Einkaufswagenfüller machten den Wagen schwer und das Steuern durch die Regale zum sportlichen Ausgleichsprogramm für die Arme. An der Kasse dann die Augenweide: eine wunderschöne meerfarbene Tasche. Riesengroß, praktisch, mit Laschen, damit die Weinflaschen sicher drin stehen und verstärkten Griffen für das überraschend bequeme Tragen der schwer gefüllten Tasche. Das Ganze gibt es für 1 €, als Carrefour-Angebot zur Eindämmung der Plastiktascheninvasion und der Clou - geht die Tasche kaputt, dann einfach zurückbringen und es gibt eine neue. Für 0 €!!
Höchste Zeit, dass unser Conde und ich mal wieder einen schönen Plauderabend verbringen. Denn es gibt viel zu erzählen. Damit kleine neugierige Kinderohren beruhigt schlafen können, muss eine Außerhaus-Location gewählt werden, was meinem derzeit an „Mamitis“ leidenden Rafael nicht besonders gefällt. Meisterhaft verkündet er seinen Protest an der schon offenen Haustür zur Freude der tratschwilligen Nachbarn. Da hilft nur ein blitzschnelles Verschwinden verbunden mit dem Wissen, dass Mamitis-Anfälle ohne Mami nicht spannend sind und dadurch der üblichen Fröhlichkeit weichen. Der Weg ins Xelini ist einfach. Nach Palma fahren und an überraschender Stelle in das Gewirr der alten Gassen hinter der Kathedrale eintauchen. Zur besseren Orientierung dreimal abbiegen, sämtliche Windungen ausprobieren und ein paar Mal hin und herfahren, um einen Platz zu sichten, auf den zumindest ein Großteil des Autos hinpassen könnte. Conde Juan Carlos hat alles im Griff und ich kann vergebliche Orientierungsversuche unterlassen. Das Xelinis hat Charme. Wenige Tische, hohe Deckenböcken und Miguel, der seine Gäste bestens verwöhnt. Seine Empfehlungen sind es wert, probiert zu werden. Vor allem die gegrillten Artischokenherzen sind ein Gedicht.
Nasses Sportvergnügen Montagnachmittags haben wir ein Date mit Son Hugo. Son Hugo wartet an der Via Cintura in Palmas Norden auf uns. Da liegt es, eines der Vorzeige-Schwimmbäder der Insel. Die zwei Fünfzigmeter-Becken und ein Sprungbecken sind für sportliche Schwimmer gedacht. Im Sommer haben sich hier einige der Mannschaften vorbereitet, die dann für Medaillen bei der Olympiade um die Wette schwammen. Son Hugo bietet auch für den weniger wassergewandten Normalbürger Schwimmkurse an. Rafael hat dort Schwimmen gelernt und freut sich jeden Montag auf seinen Kinderkurs. Am blauen Band in der Schwimmhalle stehen die Mamis und Papas und geben ihre Kinder ab, die sich freudig an einer großen Leine festhalten, um sich von einem der netten Mitarbeiter sicher durch die Halle zu ihrer jeweiligen Lehrerin manövrieren zu lassen. Ich habe beschlossen, diese halbe Stunde zu nutzen, weil Schwimmen doch so gesund sein soll. Ehrlich gesagt - es macht Spass, vor allem, wenn die halbe Stunde vorbei ist. Doch jetzt im mallorquinischen Feuchtkalt-Winter begeistert mich der Gedanke, freiwillig im feuchtkalten Wasser unterzutauchen, wenig. Heute habe ich Glück. Eine Bahn für mich alleine - ganze zehn Minuten lang. Dann füllt sich das Schwimmbad und damit auch meine Bahn. Eigentlich sind es nur zwei der trainierenden Spezie, doch deren Schwimmstil ist so ausladend, dass ich nun im Zickzack durch die Bahn schwimmen muss, um Zusammenstöße zu vermeiden. Nach mehreren Bahnen Zickzackkurs mache ich einen Versuch ohne Kursabweichung. Bilanz ist ein angekratzter Arm, meiner natürlich, ohne jegliche Entschuldigung von der Gegenseite. Die krault lässig weiter und hat meinen Arm nicht mal wahrgenommen. Im Gegenteil. Nun kommt das Spielzeug zum Zuge. So nenne ich diese Plastikplatten, die große Hände noch größer machen, nur um damit einen perfekten Kraulstil zu trainieren. Das mag durchaus Sinn machen, aber nicht auf einer schmalen Bahn, auf der mindestens einer der Teilnehmer durch die Riesenpatschen fast schon um sein Leben bangen muss. Nach weiteren zehn Minuten schwächelt einer der beiden und hängt dehnenderweise am Rand herum. Dadurch wird mein Zickzackkurs etwas begradigt, ich halte noch ein paar Längen durch und nehme meinen fröhlichen Rafael in Empfang, der unbedingt mit seiner Mami schwimmen will...
Vamosdemarcha Teil 1- ein Kleiderproblem Ein normaler Freitagabend ist angesagt. Das heißt auf das gemütliche Kaminfeuer verzichten und „marcha“ planen. „Vamos de marcha“ ist die in Worte gefasste Umschreibung für abendliches Weggehen mit morgendlicher Heimkehr. Freitag ist „marcha“-Tag. Die Tante von Rafaels Freundin empfängt mich an der Tür mit schwarz-weiß lackierten Fingernägeln. Vorbereitung für die „marcha“. Als computerarbeitende und gleichzeitig Kinder hütende „Mami“ schaue ich wohl etwas verdutzt, deshalb gibt es zur Einstimmung auf die „marcha“ an der Haustür die live Vertonung der angesagtesten Hits in Palmas Discotheken Szene. Bin als Nichtkenner leider schnell entlarvt. Zuhause summt der Computer und ist mit den vielen geöffneten Programmen kurz vor dem Abstürzen. Kurz vor neun wird der Computer dank der freundlich reagierenden Tasten zum Schweigen gebracht. „Marcha“ ist angesagt und die hat in punkto Kleiderordnung eigene Gesetze. Eine halbe Stunde vor dem Kleiderschrank meditieren ist das absolute Minimum. Kompromisslos muss ein schwarzer Winterrolli mit einem bunten Sommerrock harmonieren. Zur Verstärkung bekommt der Rolli die schwarzen Winterstiefel und der Sommerrock, die sommerfröhlichen Ohrringe. Kurzum – eine frühlingshaft perfekte Sommer-Winter-Kreation. Zumindest solange, bis wir später auf Pedro stoßen, der mit verlegenem Grinsen irgendetwas von Hippi-Look murmelt. Pech für ihn, dass nach seiner Bildrahmengeschichte mit der wundersamen Glasheilung die Glaubwürdigkeit seiner Aussagen frei interpretiert werden darf. A propos Pedro….Babette und Pedro schweben trotz der wundersamen Glasheilung nebst Spionagemanöver wieder auf Wolke sieben.
Marcha Teil 2 – Die Tomate in Rot Nach Kleiderschrank ist Telefonieren und Treffen angesagt. Telefonisch wird das abgeklärt, was die letzten Tage ausgemacht war. Getroffen wird dort, wo alle hinfinden sollten. Nach ein paar Telefonaten und fälschlicherweise angehupten weil bekannt geglaubten Autos, sind Autos vollständig und deren Insassen gerecht aufgeteilt. Babette krault Pedros Nacken, derweil Frederik überlegt, wie er endlich seine Esmeralda finden kann. Nachdem Pedro und Claudio sich auf Weg und Restaurant geeignet haben, werden die Autos gefüllt und dürfen sich durch engste Straßenwindungen in einem der nördlichen Vororte von Palma quälen, um dann in kleinsten Lücken abgestellt zu werden. Das Restaurant gehört zu einer Tomaten-Kette, innen rot angestrichen und gut besucht. Unser Tisch muss deshalb erst von Krümeln und Geschirr unserer Vorgänger befreit werden. Eigentlich ein gemütliches Restaurant, wenn nicht das grelle Licht allzu übereifrig jeden Winkel beleuchten würde. Das wird für Babette fast zum Problem, weil sich unter den kunstvoll drappierten Stirnlocken ein zur Beule mutierter Pickel befindet. Auch für unsere Bedienung ist das grelle Licht wenig vorteilhaft, zeigt es doch ihre lustlose Mimik allzu deutlich. Sie scheint auch keine Lust auf unsere Bestellung zu haben. Wir haben zwar nichts zu trinken und zu essen, dafür bereiten wir uns unter großem Gelächter auf den möglichen Hungertod vor. Der Wirt rettet uns. Nett und schnell schreibt er unsere Wünsche auf und füllt den Tisch mit Pimientos de Padrón, den kleinen oft fies scharfen Paprikas, Patatas bravas, kleine Kartöffelchen, die leider unter einer Fertig-Tomatensosse verschwinden und gebackenen Champignons, die Babette sauer findet. Die zwei Flaschen Rioja-Wein verschwinden im Nu und wir begleiten das Essen mit den üblichen Tischgesprächen: Frederik findet keine Esmeralda im Restaurant, Leonor ist überzeugt, mit Antidepressiva-Tabletten die Lust am Rauchen zu verlieren und Claudio freut sich neben seiner Carmen zu sitzen, die er viel zu selten sieht. Auch unter dem Tisch wird zwischen den Päärchen rege komuniziert. Was bei so viel Beinen für leichte Verwirrungen sorgt.
Marcha Teil 3 – Salsa in Neon Eigentlich dient das Abendessen sowieso nur dazu, sich die Zeit bis Mitternacht und später zu vertreiben, um endlich das Tanzbein schwingen zu können. Und das machen alle erst ab ein Uhr nachts, so dass vorher die entsprechenden Etablissements vor Leere gähnen. Wir haben es geschafft, es ist fast ein Uhr. Die Münze wird geworfen. Babette verliert und Leonor kann sich auf ihr Wunschlokal freuen. Das ist eine Kellerdiskothek in einem Hotel am Anfang von Palmas berühmt berüchtigter Arenalzone. Hier wird Salsa gespielt und Salsa getanzt. Mittlerweile hat sich Juan Carlos eingeklingt. Per SMS und aus seinem Wohnzimmer. Unser „Conde“ hat uns bestens im Griff und wird über alles dank Handytechnik auf dem Laufenden gehalten. Die Salsa-Kellerbar färbt uns samt unseren Getränken neonbunt. Bunt geht es auch beim Tanzen zu, denn nicht jeder ist ein Salsaprofi und statt Bein- und Hüftmuskulatur werden die Lachmuskeln strapaziert. Ja, ja haben wir gelacht an diesem „Marcha“-Abend. PS: Das „Marcha-Diplom“ würden wir nicht bekommen. Wir haben „nur“ bis drei Uhr nachts durchgehalten und Frederik hat seine Esmeralda wieder nicht gefunden.
Feb 10, 2005
Rafael und seine Freunde üben ihr erstes Liedchend
Premiere und musikalischer Austausch Baden-Württemberg - Mallorca: Erste Muha-Stunde im Colegio Casa Blanca.